DEFTONES 'Around the fur'-Konzert am 17.Oktober 1997 im Logo in Hamburg.


Das Logo ist gerammelt voll, das heißt es sind rund 400 Leute da. Die aktuelle Platte der Band die gleich spielen sollte ('Around the Fur') kannte ich nur oberflächlich. Ich war aber in Begleitung zweier Damen da, die einen schweren Schlag für den Sänger hatten und die darauf bestanden, das ich mitkomme.
Es fing mit einer Vorband an, die nicht auf der Karte stand. „Wer ist das denn?“ „Keine Ahnung. Kennst Du die?“ Der Typ vor mir:„Das ist Far.“ Nach dem dritten Lied hatte der Sänger bereits die Menge gewonnen, ich habe selten einen Menschen gesehen, der sich so ehrlich freute, das wirklich Menschen zu seinem Konzert gekommen sind wie Jonah Matranga. Als er später während der Deftones nochmal für einige Vocals die Bühne betrat war die Freude dementsprechend groß. 'Far' sind natürlich weitaus ruhiger als die 'Deftones', man kann sich noch nebenbei unterhalten. Meine Bekannte Wibke stößt mich von der Seite an: „Du, das isser!“ Ich drehe mich leicht nach links, neben mir steht ein Typ mit weitem Pulli, noch weiterer Hose und dunklem Kinnbart – Chino Moreno. „Das ist der Sänger!“ Aha. Er guckt sich 'Far' an und die Reaktionen des Publikums. Meine Bekannte ist so aufgeregt, das sie erstmal rechts hinten auf den Toiletten verschwindet, 2 Songs später erläutert mir Chino Jonahs Text. Ich kann ihm noch ganz kurz meine Bekannte vorstellen, dann muß er weg, Wibke ist totunglücklich.
Das legt sich, als die 'Deftones' anfangen. Mittendrin statt nur dabei, für den Sänger ist die Bühne im Logo viel zu klein. Ein physikalisches Wunder, das sich seine sehr baggy Hose nicht um seine Knöchen wickelt, er muß aber auch alle paar Sekunden wieder hochziehen. Die anwesenden Ladys sind begeistert, besonders da er sich auch noch halb nackig macht. Als Chino an den Lampenträger an der Decke rumhangelt und kopfüber weitersingt brechen alle Dämme, was ich grade in Hamburg sehr selten erlebt habe! Alles und jeder ist naß, das Kondenswasser tropft von der Decke.
Bei 'Lotion' ist Chino plötzlich unmittelbar neben mir, ich hör ihn direkt schreien ohne den Umweg über die PA. Wir shouten um die Wette, Auge in Auge jeder eine Hand am Mikro. Seine Nase ist fast genauso groß wie meine – sehr beruhigend, das die Mädels ihn trotzdem sexy finden ;)
Die Nähe von Band und Publikum ist elektrisierend, man putscht sich gegenseitig auf, alle powern sich aus, ohne das es aggro wird – das Konzert ist über eine Stunde lang alles, was ich mir nur wünschen kann.
Nach dem Konzert gibt es reichlich Promo-Material (teilweise leider nur für Leute die früh genug da waren, um Bonus-Flyer abzugreifen). Mit Promo-CDs und reichlich Aufklebern von 'Far' gehen wir später zum Auto. Auf mein Deftones-Poster bekomme ich noch im Logo Unterschriften von der Band. Ich habe es heute noch, auch wenn ich viel zu alt für Poster über dem Bett bin.
Dieser Abend hat mir auf Jahre meinen Glauben an Rock'n'Roll zurückgegeben und die Meßlatte für weitere Bands sehr sehr hoch gelegt. Auch für die Deftones selber. Am 27.1.98 bin ich selbstverständlich wieder im Logo, diesmal gibt es sogar eine Absperrung vor der Bühne, für einen richtigen Graben ist im Logo natürlich kein Platz :)
Ein Freund von mir guckt hinterher etwas unglücklich, er ist ordentlich euphorisiert und ich sagte nach dem Konzert irgendetwas wie, das sie mit angezogener Handbremse gespielt haben. Ich wollte ihm wirklich nicht den Abend verderben! Aber das war einfach ein Konzert, das mein Leben gleich mehrfach verändert hat. Ich hangelte noch viele Konzerte leidenschaftlich gerne durch die Beleuchtung im Logo, war noch auf diversen Deftones-Konzerten, habe alle ihre weiteren Platte gekauft, aber so gut wie beim ersten Auftritt im Logo haben mir die Deftones auf keinem Konzert wieder gefallen.
msiii - 26. Sep, 22:11