Team Sleep ist lange Zeit wie ein Vulkan gewesen, über den nur dann gesprochen wurde, wenn er rauchte.
Team Sleep – Team Sleep

Er rauchte schon manchmal zwischen den Jahren 1995 und 2005. Es gab Momente, da drohte er völlig zu erlöschen, um letztendlich doch auszubrechen, um sich seiner brodelnden Magma zu entledigen. Team Sleep ist ein Album wie ein Vulkan und seinen Nebenwirkungen. Es besteht aus Eruptionen, zähfließenden Massen, die unwirtliche Landschaften hinterlassen.
Alte Deftones-Fans wie ich werden damit nicht recht glücklich, denn Team Sleep bietet kaum Rock, dafür viel entschiedene Elektronika. Die Idee dazu entstand angeblich schon vor Adrenaline, als Deftones-Sänger Chino Moreno mit seinem Freund Todd Wilkinson in Sacramento auf einem 4-Spur-Gerät ein paar Songs in Rohversion einspielte. Dem schrittweise weiterentwickelten Material fügte DJ Crook aus L.A. Drum-Programmierungen hinzu. Von einer festen Band, Platte oder Liveauftritten waren die drei weit entfernt. Anno 2000 kam es dazu, bis auf die Platte. Das noch unfertige Material landete bei einem Radiosender, wurde gespielt und Chino Moreno war derart genervt, dass das Team in einen Tiefschlaf versetzt wurde. Drei Jahre später tauchten Team Sleep mit dem Song „The Passportal“ auf dem Soundtrack von Matrix: Reloaded auf. Das nun erhältliche Album TeamSleep will dann auch kein Projekt mehr sein sondern eine gewachsene Band. Daran ändert die starken Gastauftritte der Vokalisten Mary Timony (Helium) und Rob Crow (Pinback) gar nichts. Dafür decken die insgesamt fünfzehn Tracks das breite Spektrum populärer Musik ab. Ein seltener Gitarren-Moment finden sich auf dem anfänglich recht elegischen „Live From The Stage“, weitaus häufiger finden sich aber schleppende, finstere Songs wie „Ever“ oder „Your Skull Is Red“. Der Beginn des Albums ist noch Rock im weiteren Sinne, dann bestimmt die Elektronik das Geschehen. Dezente Break-Beats und Schwebesounds bilden das Fundament von „Princeton Knights“, „Tomb Of Liegia“ ist träumerischer TripHop und „King Diamond“ dezenter Drum & Bass, „Paris Arm“ kommt wunderbar verspielt daher. Die Ballade „11/11“ beschließt ein Album, das von keinem roten Faden durchzogen wird, dabei aber auch nicht zerrissen und gestückelt wirkt. Erinnert an Tapeworm - bekannte Musiker, die angestrengt versuchen Neuland zu beschreiten, das sie in ihren etablierten Bands nicht erreichen können. Muß man das veröffentlichen? Nö, aber man kann. Muß man das kaufen? dito.
Vielleicht ein großer Schritt für Chino Moreno & seine Homies, ein eher kleiner für die (Rock-)Welt.
MSIII sagt: 3,5/10
EINSCHLÄFERND
TEAM SLEEP - TEAM SLEEP
- Ataraxia
- Ever (Foreign Flag)
- Your Skull Is Red
- Princeton Review
- Blvd. Nights
- Delorian
- Our Ride To The Rectory
- Tomb Of Liegia
- Elizabeth
- Staring At The Queen
- Ever Since WWI
- King Diamond
- Live From The Stage
- Paris Arm
- 11/11
msiii - 19. Sep, 01:18